Propstei- und Hauptpfarre Wiener Neustadt

Gedanken zum Evangelium vom 2. Fastensonntag (25.02.2018)

von Pastoralassistent Pero Lovric

Viele Theologen und Religionswissenschaftler beschreiben das Absolute oder das Göttliche als mysterium tremendum et fascinans. Mysterium tremendum heißt Geheimnis, das Furcht und Zittern auslöst und mysterium fascinans das Faszinierende und Entzückende am Geheimnis Gottes. Bei der Verklärung Jesu begegnen wir ganz deutlich diesen zwei Eigenschaften der Gotteserfahrung. Am Verhalten des Petrus und der anderen zwei Apostel sind sie klar ablesbar: „Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen“ (Mk 9,5-6).
Petrus sagt: „Es ist gut, dass wir hier sind“. Die Apostel sind fasziniert vom Geschehen und möchten so lange wie möglich dieses außerordentliche Erlebnis andauern lassen. Auf der anderen Seite sind sie vor Furcht benommen und gewissermaßen verwirrt. Die gewaltige Gotteserfahrung, die sie erleben, wirkt auf sie zu gleicher Zeit faszinierend und furchterregend.
Vielleicht haben auch manche von uns solche Erfahrungen der Nähe Gottes gehabt. Das können unverdiente Geschenke der Gegenwart Gottes sein. Es ist aber wichtig zu bemerken, dass der Verklärung Jesu ein Aufstieg auf den Berg bevorstand. Die besondere Gotteserfahrung ist oft erst nach einem Aufstieg, nach einer Bemühung möglich. Darum ist es nicht verwunderlich, dass viele Begegnungen zwischen wichtigen Bibelpersönlichkeiten und Gott auf den Bergen passiert sind (Abraham, Mose, Elijah...). Auch die Fastenzeit ist eine besondere Zeit des Aufstiegs und der Anstrengung, die eine besondere Begegnung ermöglichen kann.
Dieses Evangelium lädt uns ein, über das nachzudenken, was uns übersteigt und überwältigt. Am Ende des Evangeliums fragen sich die Apostel „was das sei: von den Toten auferstehen“. Auch sie dachten über das nach, was den menschlichen Verstand übersteigt. Unser letztes Ziel ist die Auferstehung, und das irdische Leben ist der ständige Aufstieg, der immer wieder durch Gottes besondere Nähe unterstützt wird, bis wir das letzte Ziel erreichen.

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