Man kann sich einer Kirche, wie dem Dom zu Wiener Neustadt von verschiedenen Gesichtspunkten nähern:

 

 

als geschichtlich Interessierter,

als Kulturtourist oder

als gläubiger Mensch

     
Für den gläubigen Menschen wird der Dom zur "neuen Stadt". Herzog Leopold wollte eine "neue Stadt" gründen. Er wollte, dass seine neue Stadt ein Sinnbild jener neuen Stadt werde, die wie eine Braut für ihren Mann geschmückt ist.

  

  Wenn der gläubige Mensch den Dom betritt, erinnert ihn die Ausrichtung des Domes nach Osten nicht nur an die Gründung der Stadt am Pfingstsonntag des Jahres 1193. Er weiß um Jesus, der das Licht dieser neuen Stadt sein will. Darum sind die Seitenschiffe nur halb so hoch wie das Mittelschiff. Was die Kirche leben lässt, kommt von oben.
Diese neue Stadt "hat eine große und hohe Mauer mit 12 Toren und 12 Engeln darauf. Im Osten hat die Stadt drei Tore und im Norden drei Tore und im Süden drei Tore und im Westen drei Tore. Die Stadt war viereckig angelegt und ebenso lang wie breit." 

 

  Der aber, dessen Tod und Auferstehung hier in Symbolen, die die Realität des Geschehenen enthalten, gefeiert wird, gibt sein Blut zur Vergebung der Sünden. In die Dunkelheit der Schuld fällt am Pfingstsonntag 1193, am 16. Mai, am Tag der Grundsteinlegung, das Licht des Sonnenaufgangs, das Licht der Erlösung.
Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten. Denn die Herrlichkeit des Herrn erleuchtet sie. Die Völker werden in diesem Licht einher ziehen, und die Könige der Erde werden ihre Pracht in die Stadt bringen. Ihre Tore werden den ganzen Tag nicht geschlossen ". So beschreibt die Offenbarung die "neue Stadt" (Off 21,12-13.16.23-25).   Nicht nur die Augen, auch die Herzen sollen empor gerissen werden zu dem, der über dem Triumphbogen sitzt, der 1279 gemalt wurde. Zu denen auf seiner Rechten sagt er: "Kommt ihr Gesegneten in das Reich meines Vaters (Mt 25,34), in die Stadt, in der es den Tod nicht mehr gibt, nicht Kummer, nicht Klage" (Off 21,4).
Ob Leopold VI. Buße tun wollte für das, was er Richard Löwenherz angetan hatte? Zur weltlichen Achse des Langhauses legte er im Altarraum eine himmlische Achse. Wir Menschen haben das neue Leben, die neue Stadt, das himmlische Jerusalem nicht verdient. Wir können es aus eigener Kraft auch nicht erreichen und nicht bauen.   Achtzig Jahre werden vergehen, bis Johannes von Ennstal im Auftrag des Bischofs von Salzburg - zu seiner Diözese gehörte das Gebiet zwischen Piesting und Drau - das fertiggestellte Bauwerk der Gottesmutter und dem hl. Rupert weihen konnte.